Probleme mit der Ausfuhr nach Deutschland Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


01. 01. 2015

Ab diesem Datum ist nichts mehr wie es war. Deutschland hat ein neues EU-Recht in der schärfsten aller möglichen Formen angenommen. Die Ausführungen, welche hier folgen beziehen sich also nur auf Deutschland. Welpeninteressenten aus Österreich z. B. müssen sich keine Sorgen machen.

Import von Welpen nach Deutschland

Ab Anfang 2015 dürfen nur noch tollwutgeimpfte Welpen nach Deutschland importiert werden. Das heisst im Klartext, die Welpen müssten theoretisch 15 Wochen alt sein. Allerdings sind es mindestens 17 Wochen, wenn der Welpe aus der Schweiz stammt, da wir hierzulande die Tollwut-Imfpung NICHT mit der Fünffach-Impfung kombinieren dürfen.

Die 2. Fünffach-Impfung wird im Alter von 12 Wochen gemacht.

Die Tollwut-Imfpung darf frühestens nach 2 Wochen gemacht werden (in der Schweiz wird empfohlen, bis zum Alter von 6 Monaten zu warten, falls keine Auslandreise ansteht).

Nach der Tollwut-Imfpung müssen mind. 21 Tage gewartet werden.

EU-Recht national definiert
Das EU-Recht würde zulassen, bei den Welpen eine Ausnahme mit der Tollwut-Impf-Pflicht zu machen (so wie es zuvor war). Deutschland hat entschieden, keine Ausnahmen zuzulassen.
Seltsame Begründung

Begründet wird dieses Gesetz damit, dass so der illegale Welpenhandel gebremst würde. Das ist natürlich völlig absurd:

Die illegalen Welpeneinfuhren werden eigentlich gefördert, Tier-Pässe können  gefälscht werden (Alter des Welpen, Imfpungen, Herkunft etc), durch die Auflagen, die für die seriösen Züchter gelten, steigt sogar die Nachfragen nach Welpen im Prägungs-Alter von Vermehrern und illegalen Einfuhren. Damit der illegale Welpenhandel angegangen würde, bräuchte es ganz einfach Grenzkontrollen.

Die Tollwut ist in der Schweiz seit Jahrzehnten ausgerottet. Es kann also auch nicht um diese Krankheitserreger gehen. Bisher mussten die Züchter eine Bescheinigung ausstellen, dass die Welpen keinen Kontakt mit Wildtieren hatten, und die Tierärzte erstellten ein Gesundheitsattest (aus allen Ländern ohne Tollwut-Risiko genügte dies, da gibt es offizielle Listen). Würde es um die Tollwut gehen, könnte ja auch der Titer bestimmt werden. Auch diese Begründung ist absurd.

Zudem ist es sehr seltsam an sich, dass der illegale Welpenhandel mit einer Tollwut-Impflicht verhindert werden will, das ist etwa so, wie wenn Malaria mit einem Zwang zum Kartoffel-Essen bekämpft würde. Äxgüsi, aber das ist wirklich eigenartig.


Kynologische Sicht

Aus kynologischer Sicht sind die Wochen 10-16 die Haupt-Präge-Zeit. D. h. alles, was der Welpe in dieser Zeitspanne lernt, fixiert sich lebenslänglich. Auch die Bindung zu seinen Menschenfreunden ist enger, wenn die Beziehung in dieser Zeit aufgebaut werden kann. Die Kynologen/innen sind sich einig, dass dies eine extrem wichtige Phase ist, der Welpe muss ganz viele Erfahrungen machen, ganz viel kennen lernen, ganz viel Anregung bekommen, damit sich seine Psyche und sein Gehirn optimal entwickeln kann. Und damit der Hund lebenslänglich auf diese Ressourcen zurück greifen kann.

Aus kynologischer Sicht ist es sträflich, diese Zeit ungenutz verstreichen zu lassen. Kein Züchter kann das ersetzen, was die Welpenbesitzer mit ihrem jungen Hund unternehmen. Zudem sollte der Welpen in eine Welpenschule gehen, damit auch die soziale Prägung auf verschiedene Rassen statt findet. Müsste ein Züchter das alles abdecken, 7 Wochen zusätzlich zu den 10 Wochen Aufzucht, das wäre unbezahlbar.

Ich weiss schon, dass es Züchter (andere Rassen) gibt, die auf Ihrer Webseite deklarieren, diese 7 Wochen zu überbrücken. Ja, z. B. bei Zwingerhaltung können diese Welpen einfach länger auf ihren Auszug warten. Gerade bei "heiklen" Rassen ist dies aber umso fataler, wenn die soziale Prägung ausfällt.


Die Sicht der Züchter/innen

Es gibt Rassen (auch der Pudel), die haben einen kleinen Genpool. Dieser wurde durch gezielte Zukäufe von Zuchttieren (Welpen) aus dem (oft auch fernen) Ausland immer wieder aufgefrischt. Dies wird nun massiv erschwert. Das heisst, der Inzuchtskoeffizient wird steigen, statt dass er sinken sollte. Nicht jede/r packt z. B. seine Hündin und fliegt in die USA, um sie dort decken zu lassen. Dass dies langfristig zu Problemen in Rassen oder Schlägen führen wird, ist nicht unwahrscheinlich.

Es gilt einen weiteren Punkt zu beachten. Wenn ich eine Hündin im Alter von 17 Wochen zukaufe, hat diese ja die optimale Prägephase verpasst. Wir wissen aus der Disziplin der Epigenetik, dass diese Hündin, wenn sie selbst dann einen Wurf hat, dieses Manko weiter geben kann, und zwar in der Art der Sozialisation, aber auch über die Gene!

Es gibt einen weiteren Punkt. Wenn mehrere Welpen zurück bleiben und auf ihren Auszug warten müssen, dann entwickelt sich das Junghund-Rudel oft suboptimal. Der Züchter muss sehr gut aufpassen, dass das Spiel nicht immer grober wird, dass sie einandern nicht Mist beibringen, dass sich nicht unerwünschte Verhaltensweisen einschleichen.


Vergangenheit und Heute

In der Vergangenheit durfte ich immer wieder Welpen nach Deutschland verkaufen, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich höre, wie gut es ihnen geht. Sie alle haben wunderbare Lebensplätze bekommen.

Aktuell muss ich aber alle Welpeninteressenten auffordern, in Deutschland nach einem geeigneten Pudel zu suchen. Die Sideböllelis können nicht mehr nach Deutschland gehen, weil es zu schade wäre, so gut sozialisierte und aufgebaute nervenstarke Welpen während Wochen auf ihren Auszug warten zu lassen. Ich kann maximal 1 Welpen diese Phase optimal bieten, alles Andere ist unseriös und kann ich nicht verantworten.

Ich hatte für den kommenden Wurf 6 Anfragen aus Deutschland, und musste allen absagen.

Schweigen Was ich nicht verstehe, dass weder der VDH noch die Rasseclubs noch die kynolgische Presse, noch die grosse Welt der Hundefreunde diese Problematik zu Sprache bringt. Warum dieses Gesetz einfach schweigend akzeptiert wird?