Ein Junghund bringt neue Herausforderungen    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Bewegung, Kondition etc.
Der Königspudel gehört zu den grossen Hunderassen. Grosse Hunderassen gesund zu erhalten ist sehr wichtig, weil aufgrund des Körperbaus gewisse Risiken bestehen. Deshalb gibt es bestimmte Dinge zu beachten:

Anfälligkeit für Magendrehung
Grosse Hunderassen sind in Bezug auf Magendrehungen gefährdet.

D. h. nie nach dem Fressen spazieren oder spielen oder gar Hindernisse springen! Wenn eine Magendrehung eintritt verbleibt genau 1 Std., innerhalb der der Hund notoperiert werden muss, sonst ist er nicht mehr zu retten und krepiert elendiglich! Sogenannte "Rollen" sind bis 3 Std. nach der Mahlzeit ebenso lebensgefährlich. Auch wenn der Mensch seinen voll gefressenen Hund auf dem Rücken dreht, kann schon eine Magendrehung provoziert werden.



Warum Magendrehungen?

Der Magen des Hundes ist wie eine Hängematte, nur an 2 Punkten befestigt, sonst hängt er frei und kann sich v. a. nach dem Fressen (Trockenfutter ist noch gefährlicher als Nassfutter und auch wenn der Hund eine beachtliche Menge Wasser getrunken hat, besteht das gleiche Risiko) drehen. Hastiges Fressen, grosse Portionen und Trockenfutter mit viel Wasser gelten als zusätzliches Risiko. Stress fördert Magendrehungen. Der gedrehte Magen füllt sich schnell mit Gasen, der Hund wird so immer mehr aufgebläht und hat irrsinnige Schmerzen. Diese Gefahr besteht lebenslänglich.




HD

Grosse Hunderassen sind gefährdet Hüft-Dysplasie (HD) zu entwickeln, wenn sie zu schnell wachsen, zu mollig sind oder wenn sie im Wachstum zu sehr belastet werden (zu viel und zu lange dauernde Bewegung, z. B. Sprünge, Steilwand!). Aber auch zu wenig Bewegung kann zu Schäden führen. So gibt es eine Schweizer Studie, dass Sommerwürfe bessere HD-Werte haben, weil sich die Welpen mehr draussen aufhalten und sich mehr bewegen.

Ein Welpe darf so viele Minuten spazieren oder spielen, wie er Wochen alt ist. Also bei einem 12 Wochen alten Welpen dauert der Spaziergang gerade mal 12 Minuten. Das kann mehrmals am Tag sein. Zwischendurch wird geschlafen. Diese Regel gilt bis der Pudel 1 1/2 jährig ist.


Systematischer Aufbau, keine Überbelastungen

Bis dahin muss er insofern geschont werden, als die Bewegungszeit und die Spaziergänge angepasst werden, und dass er nicht von aussen zu bestimmten Tempi gebracht wird, z. B. wenn der zum Fahrradfahren oder Reiten mitgenommen wird.

Hindernisse und Sprünge in der Wachstumsphase möglichst selten und wenn, dann nur 2-3 aufs Mal. Wenn der Pudel dann ausgewachsen ist, kann er gut im Agility oder in andern Sportarten eingesetzt werden.

Achtung: Welpen und Junghunde dürfen weder ins noch aus dem Auto springen. Das ist eine viel zu grosse Belastung für die Gelenke.

Im Erwachsenen-Alter ist auch zu bedenken, dass sich ein unaufgewärmter Hund (Muskeln, Sehnen) viel schneller verletzt als einer, der sich eben gut bewegt hat.

Kondition aufbauen

Der Pudel ist ein Sporthund, und die Kondition soll sorgfältig unter Beachtung obgenannter Gesichtspunkte aufgebaut werden. Er gilt als robust und gesund, und viele Pudel wirken auch im Alter jugendlich und sportlich.

Allerdings bis zum Alter von 1.5 - 2 Jahren ist der Grosspudel noch nicht ausgewachsen und sollte deshalb kräfte- und ausdauermässig nicht überfordert werden. Das würde z. B. geschehen, wenn man ihn zu früh und zu lange am Velo laufen liesse.

Hier möchte ich noch etwas Anderes anmerken. Fast alle Hunderatgeber weisen darauf hin, dass der Junghund nicht zu sehr belastet werden soll. Die grösseren Gesundheitsprobleme entstehen aber im zu groben, zu intensiven, zu lange dauernden Spiel!

Grundsätzlich ist ein gleichförmiger Bewegungsaufbau, z. B. beim Joggen viel weniger schädlich als z. B. ein Spiel mit grob spielenden Hunden (viele Retriver an erster Front!). Meine Welpen sind schon gut bemuskelt und es gilt auch, diese Bemuskelung zu halten und auszubauen.

Zeitmanagement und Organisation im ersten Lebensjahr
Warten während Ihrer Abwesenheit

Wenn Sie früh (am Anfang nur 1-2 Min.) beginnen, den Hund auch mal kurz alleine zu lassen, und dann die Phasen ganz langsam verlängern, dann wird der Junghund mit 6 Monaten sicher schon mal 1.5 - 2 Std. allein sein können. Mit 1 Jahr sollte er es etwa 3 Std. schaffen und mit 1.5 Jahren dann 4 Std.

Allerdings kann es sein, dass ein sehr aktiver und unternehmungslustiger Welpe/Junghund während Ihrer Abwesenheit am Anfang in der Kiste oder zumindest in einem sicheren Raum warten muss. Ziel ist natürlich, die Kiste überflüssig zu machen, diese nur als Begrenzung der Gefahr und fürs Lernen des Wartens einzusetzen.

Fresszeiten

Der Welpe kriegt am Anfang 3 oder 4 Mahlzeiten. Sie bekommen von der Züchterin ja einen Futterplan. Etwa mit 1/2 Jahren stellen Sie auf 2 Mahlzeiten (morgens und abends um). Weil ich meine Hundis flexibel behalten möchte, habe ich keine fixen Futterzeiten eingerichtet. Ich füttere nach dem Spaziergang, und dann wenn es Sinn macht, da sie anschliessend ihre Siesta halten müssen. Bei uns hat es sich so eingespielt, dass das ganze Rudel nach dem Frühstück etwa 2-3 Std. schläft. Da kann ich die Zeit gut fürs Arbeiten nutzen.

Wichtig ist einfach, dass Sie den Hund nach dem Fressen ca. 1 Std. NICHT alleine lassen, da Sie ihn in dieser Zeit wegen einer allfälligen Magendrehung im Auge behalten sollten.

Spaziergänge

Ein erwachsener Hund muss 4x täglich versäubert werden, also morgens nach dem Aufstehen, dann mittags, abends und nachts, bevor Sie zu Bett gehen. Mindestens 1x davon braucht er einen grösseren Spaziergang (je nach Alter, ein ausgewachsener Pudel mind. 1.5 Std.).

Insgesamt rechne ich für die artgerechte Haltung eines Hundes mind. 3 Std. pro Tag ein.

Links Djambo als Gipfelstürmer.

Hundeschule

Nach der Welpenschule folgt die Junghundeschule. Suchen Sie sich da auch eine Hundeschule aus, die Ihnen zeigt, wie Sie auf feinfühlige und konsequente Art (ohne Gewalt) Ihren Pudel erziehen können. Ziel ist immer ein gut funktionierendes Team.

Gesetzlich vorgeschrieben ist auch der SKN (= Sachkundenachweis). Das ist ein kleiner obligatorischer Kurs (ein bisschen Theorie und ein bisschen Praxis), welche der Gesetzgeber vorschreibt, wenn ein neuer Hund erworben wird.


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Hundesitting, Rudel, auswärts schlafen ...

Ich finde es wichtig, dass ein junger Hund lernt, auch mal auswärts zu schlafen, auch mal mit einer andern (vertrauten!) Person Gassi zu gehen ... es kann immer mal sein, dass man selber krank o. ä. wird und darauf angewiesen ist, dass der Hund durch eine andere Person versorgt wird.

Meine Hundis gehen auch regelmässig in ein Rudel. Da lernen sie ganz viel in Sachen Sozialisation. Ich habe nie Probleme, wenn ich spazieren gehe, meine Hundis haben gelernt, mit den verschiedensten andern Hunden umzugehen.

Wie bei einem Kind, es ist genau gleich: Grundsätzlich sind solche zusätzlichen Erfahrungen wertvoll und eine Bereicherung und für die Hundis Abwechslung. Allerdings ist es wichtig, dass es eine Konstanz hat, dass der Hund nicht herumgeschoben oder dauernden Wechseln ausgesetzt wird. Der Hund soll sich freuen, auf Besuch zu bekannten und geliebten Leuten gehen zu dürfen.

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Anti-Jagd-Training

Wenn der Pudel heute auch zu den Gesellschaftshunden zählt, ist er doch von seiner Herkunft ein Jagdhund. Auf dem europäischen Festland wurde er für die Entenjagd verwendet, in England gar für die Hirschjagd. Deshalb gibt es einen Restbestand an Jagdtrieb. Wir achten zwar bei der Zuchtauslese auf möglichst wenig Jagdtrieb, aber er kann doch vorhanden sein. Beim Pudel ist dieser jedoch recht einfach mit der richtigen Erziehung "in den Griff zu kriegen".

Wir haben bei uns auch eine Fachbücherei und Fach-DVDs, die sich Welpenkäufer bei uns gerne zur Gemüte führen dürfen. Hier also nur ein paar wenige für mich wichtige Punkte:


Schleppleine

Den Junghund nehme ich im Wald solange an die (lange) Leine (nur mit dem Geschirr, zu gefährlich am Halsband), bis der Appell wirklich (d. h. auch wenn ein Reh den Weg kreuzt) funktioniert. In den ersten beiden Lebensjahren sollte keine Jagd statt finden, dann ist das Problem in der Regel gebannt. Man muss aber wissen, dass jagen Glückshormone im Gehirn frei setzt, und wenn ein Junghund ein Jagderlebnis hatte, dann lechzt sein Gehirn nach mehr von dieser Stimulierung.

Im Wald lasse ich nicht zu, dass die Wege verlassen werden. Das kann man sehr gut mit der Schleppleine trainieren. Mein Ziel ist ja, dass ich den erwachsenen Hund dann neben dem Pferd frei im Wald als verlässlichen Begleiter dabei haben kann. Da braucht es Aufbau im Junghundealter.


Es wird immer wieder empfohlen, dass mit dem Welpen oder Junghund Wildtiere in Freilaufgehegen oder Tierparks besucht werden. Das macht nur Sinn, wenn man diese Besuche durchdacht durchführt. Dabei ist zu achten, dass der Hund zwar die Tiere "zählen" darf (das ist erwünscht), jedoch nie eines fixiert (das ist der Anfang des Jagdtriebes). Wenn man das Fixieren zu lässt, fördert man den Jagdtrieb. Am besten nimmt man entweder Gutzies oder ein Lieblingsspielzeug mit und beschäftigt den Hund damit. Dann sind die wilden Tiere nur Kulisse. Der Junghund lernt, es geht nicht um diese wilden Tiere, sondern um die Interaktion zwischen Mensch und Hund.


Auch im Wald kann man gut intensiv spielen, so dass der Junghund gar nicht auf die Idee kommt, oder das Spiel mit dem Menschen viel wichtiger erlebt als irgendwelche Tiere, die zufällig auch noch da sind.

Wichtig zu wissen, der Pudel riecht nicht wirklich nach Hund, eher wie ein Lammfell. Die Konsequenz davon ist, dass die Rehleins etc. nicht so früh oder auch nicht rechtzeitig merken, dass da ein Hund unterwegs ist. Ich erlebe immer wieder Begegnungen mit Rotwild, welches uns dann jeweils verdutzt anschaut. Umso wichtiger ist, dass der Hund in solchen Situationen kontrollierbar bleibt.

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Geschlechts-Erziehung

Wie die Menschen müssen auch die Hundis lernen, wie sie angemessen mit ihrem Geschlechtstrieb umzugehen haben. Sonst wird das Zusammenleben mit ihnen mühsam.

Ein junger Rüde muss lernen, dass das Besteigen einer Hündin nur dann geschehen kann, wenn sowohl die Hündin als auch die Begleitmenschen damit einverstanden sind. Das ist im Wolfsrudel genau so.

Konkret erwarte ich von meinem Rüden, dass er ultimativ hinunter kommt, wenn ich das anordne, dass er keine Hündin (und auch keinen kastrierten Rüden), auch keine läufige Hündin verfolgt oder bedrängt, ausser ich gestatte es ihm. Das ist im Normalfall nicht zuviel verlangt. Wenn ein Rüde massiv oversext ist, dann ist wohl eine Kastration eine grosse Erleichterung für ihn. Ansonsten geht es mit einer klaren Erziehung recht leicht.


Anstand und Respekt

Kein Rüde darf einen Menschen besteigen. Das ist etwas Unangenehmen, etwas Distanzloses und Unangemessenes und darf keinesfalls geduldet werden. Zudem zeigt ein Rüde damit auch seine Respektlosigkeit oder sein Dominanzgebaren.

Ebenso dulde ich nicht das Besteigen und Begatten von Sofas, Kissen ... . Der Rüde muss lernen, seinen Sexualtrieb zu kontrollieren. Je mehr man alles frei lässt, desto mehr werden sich solche Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Unser Djambo weiss, er hat 1x markieren zu gut, bis er von der Leine gelassen wird, und zwar an einem bestimmten Busch. Wenn er frei ist, dann darf er soviel er will. Allerdings nicht ganz wo er will. Z. B. Sitzbänke lässt er von sich aus in Ruhe. Und sonst würde ich ihn abrufen.


Übermässiger Sexualtrieb

Hat ein Rüde einen grossen Sexualtrieb, versuchen Sie es mit Bachblüten. Den Mönchen gab man auch Kubebenpfeffer. Da könnte man mal nachforschen, ob das bei Hunden auch funktioniert!

Bei Zuchtrüden empfiehlt sich ein Ritual einzuführen. Z. B. immer den gleichen Teppich auszurollen oder sonst ein ganz klares Signal zu geben. Nur im Zusammenhang mit diesem Ritual wird begattet. Das können Rüden ganz gut lernen, und Sie ersparen sich viele unangenehme Situationen.


Spiel und Ernst unterscheiden lernen!

Wenn nämlich Hundebesitzer sagen: "Das ist normal" oder "Das regeln die Hunde schon selber" oder gar lachen, wenn Rüden dauernd andere Hundis begatten und nicht spielen wollen, dann lassen diese Menschen zu, dass viel Stress bei den andern Hunden provoziert wird, und auch, dass ihr Hund ein unerwünschtes Verhalten ausbaut. Diese Aussagen sind nämlich fertiger Quatsch und zeigen nur, dass sich der Mensch nicht wirklich interessiert, was zwischen den Hunden abgeht. Links ist ein unangemessenes Dominanzverhalten zu erkennen.

Bei der Hündin sind die Problem eher im Kontakt mit Rüdenbesitzern zu finden. Es gibt Rüdenbesitzer/innen, die kommen in Stress, weil sie ihren Rüden nicht kontrollieren können. Es hat sich eingebürgert, dass eine läufige Hündin nicht dort wo alle ihre Hunde frei laufen lassen spazieren geführt wird. Da bietet sich der Wald an, sollten dort doch nur kontrollierte Hunde oder solche an der Leine angetroffen werden.

Auftritts-Kompetenz

Beabsichtigen Sie, Ihren Hund mal anzukören oder auszustellen, dann lohnt sich auch eine zeitliche Aufwendung in Sachen schön traben, schön stehen und sich von andern Leuten überall anfassen lassen.

Falls Sie eine Hundeschule besuchen, können Sie dort evtl. auch solche Wünsche anbringen, dass speziell geübt wird.